Kolumne #3: Mein Job - Berufung oder Einbahnstraße

Regelmäßig meldet sich Gründerin & Geschäftsführerin von CEO GENE, Tanja Kosar, selbst zu den Themen Karriere, Powerfrauen, Innovation und Nachhaltigkeit zu Wort. 

Kolumne #3: Mein Job -Berufung oder Einbahnstraße

Woher weiß man, dass das was man da als Karriere gerade anstrebt, die tatsächliche Berufung ist? Im Japanischen gibt es ein Wort namens "Ikigai" - es steht für Deinen persönlichen Grund jeden Tag morgens aufzustehen.  Aber was ist nun mein Ikigai, was erfüllt mich und wie finde ich das heraus? Ich kenne diese Unsicherheit hinsichtlich der persönlichen Berufung nur zu gut aus vergangenen Jahren und möchte euch heute erzählen,  was mir mal sehr geholfen hat.

Anfang 20 stand ich in meinem Leben an einem Scheideweg - mit so vielen Interessen und Hobbies war es mir nie leicht gefallen, mich "final" für einen Berufszweig zu entscheiden. Kreativ, aber doch naturverbunden sollte mein Traumjob sein. Mit Menschen aber nicht "zu viel" mit Menschen denn dann fühlte ich mich ausgelaugt. Mit verschieden Kulturen aber irgendwie auch heimatverbunden. So ging die Liste weiter. Eines abends vertraute ich mich einem Freund an. Er kannte mich schon lange und konnte sich durch seine Lebenserfahrung unheimlich gut in die Lage Anderer versetzen. Zum ersten Mal sollte ich hier von dem Konzept Ikigai hören..

Mein Bekannter hörte meine Selbstzweifel und Fragen ruhig an und nahm daraufhin ein altes braunes Kuvert und einen Stift von seinem Tisch. Er malte drei Kreise. 

Der erste Kreis

In den ersten Kreis sollte ich alles Erdenkliche aufschreiben, was mir persönlich gut liegt und was ich sehr gerne mache.  Das dürfe von Hobbies über Interesse an diversen Themen bis hin zum Sport alles Mögliche sein. Solange ich sagen kann, dass es in mir Begeisterung auslöst, sei alles erlaubt.

Der zweite Kreis

In den zweiten Kreis sollte ich aufschreiben, wofür man mich generell bezahlen könnte. "Schreib hier die Stärken von Dir auf, womit du Geld machen kannst", sagte mein Bekannter. War ich vielleicht eine sensationelle Fotografin oder Näherin? Gut im Malen oder Schreiben? Konnte ich Dinge reparieren, erfinden oder toll mit Kindern oder Tieren umgehen? Das fiel mir nun schon etwas schwerer, weil es eine gehörige Portion an Selbstreflexion von meiner Seite aus erforderte. An diesem zweiten Kreis nagte ich eine ganze Weile. Worin war ich denn so gut, dass jemand dafür bezahlen würde?

Der dritte Kreis

"In den dritten Kreis schreibst Du nun alles, was Deiner Meinung nach auf dieser Welt noch vermehrt gebraucht wird" - erklärte nun mein Bekannter und tippte mit dem Kugelschreiber in den dritten leeren Kreis. Das fiel mir nun widerum viel leichter. Phrasen wie "gute ärztliche Versorgung" , "Empathie", "vertrauensvolle Mentoren" oder "Rücksicht auf die Natur und Umwelt" kamen mir in den Kopf. Wild schrieb ich alles auf.

Der letzte Schritt

Als ich einige Tage später meinem Bekannten mein fertiges Kreis- Exemplar präsentierte, lächelte er mich ermutigend an. "Schau hier...", er zeigte auf die Mitte der einzelnen Kreise. "Deine Kreise überschneiden sich. An manchen Stellen nur zweimal. In der Mitte treffen sie jedoch alle zusammen. Suche unter all den Schlagwörtern nun die wenigen Begriffe aus den drei Kreisen heraus, die sie alle gemeinsam haben. Die schreibst Du in die Mitte denn das ist essentiell das, was Du liebst, wofür Du bezahlt werden kannst und was die Welt Deiner Meinung nach wirklich braucht. Das ist dann Dein persönliches Ikigai.

Als ich das hörte, war ich ganz schön überrascht. Diese Herangehensweise hatte ich zuvor noch nie probiert und sie war mir fremd - und doch machte sie zu 100% Sinn.

"Was, wenn ich mich täusche und das falsche Ikigai für mich ermittle?", fragte ich am Ende unseres Gesprächs noch unsicher. Mein Bekannter antwortete, "es gibt kein richtig oder falsch. Und ganz wichtig ist immer zu wissen, dass man im Leben nicht nur einen festen (Berufs-)weg wählen muss. Du kannst mehrere Ikigai haben denn auch Deine Interessen und Stärken verändern sich im Verlauf der Zeit. Man darf im Leben mehrere Kapitel haben."

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Zum Thema "Ikigai" gibt es übrigens mittlerweile auch diverse Bücher auf dem Markt. Alle erklären das Ganze mit unterschiedlichen Ansätzen. Mir hat das Gespräch mit meinem Bekannten damals wortwörtlich die Augen geöffnet und geholfen, einen roten Faden bei meinen Interessen zu entdecken. Vielleicht hilft es ja auch Dir in Deiner jetzigen Lebenssituation für mehr Orientierung zu sorgen...

Alles Liebe! 

Tanja Kosar


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