Kolumne #4: Der Zwiespalt moderner Väter über den keiner spricht

In einer meiner letzten Kolumnen habe ich euch zum Thema "Karriere UND Kind" aus meiner Sicht als Mutter und Unternehmerin berichtet. Das Thema ist ja schließlich auch ein Dauerbrenner - wohin man schaut. Muttersein aber auch "Karriere wollen" wird von manchen als egozentrisch verflucht und von manchen anerkennend mit Kopfnicken und Applaus begleitet. Leicht ist es für die jeweilige Mutter nie - egal wie sie sich entscheidet.

 

Mutter, Hausfrau, Businessfrau ?

Ob sie ihre Karriere nun an den Nagel hängt um sich ganz der Kindererziehung und dem Haushalt zu widmen oder ob sie sich zwischen Teilzeitjob, Kita-Hin-und-Her-Gefahre, genau eingeplanter Kinderspielezeit (und abends noch die Wäsche während der Saugroboter in monotoner Schildkrötengeschwindigkeit um die Füße braust) fast selbst zereißt - leicht ist diese Entscheidung nie. Einem Teil des ganzen Puzzles wird man sicherlich nie ganz gerecht werden können...es ist nur eben Typsache, welcher Teil dies für jede Mutter ganz persönlich sein wird.

 

Wichtig ist, was DIR wichtig ist

Man kann es sowieso nicht allen Recht machen - wie man sich auch entscheidet, es findet sich immer jemand, der meint, dass Du doch Dein Leben "anders" leben solltest. Und wenn es Großmutter Agathe ist die aus ihrem Sessel ruft: "Du kannst doch Deine Kinder nicht im Stich lassen! " Tja. So ist das mit den Müttern und der Karriereplanung heute. Aber was ist eigentlich mit den Vätern?

 

"I want it all" - Phänomen

Seit mein Mann und ich verheiratet sind und selbst Kinder haben, hat mich das Thema viel bewegt was es heißt Familie und Karriere 'gerecht' zu werden. Dabei ist mir etwas aufgefallen - den Vätern heutzutage geht es oft nicht anders. Ich weiß ja nicht wie eure Kindheit aussah, aber bei mir war es ganz normal, dass die Mutter zuhause bleibt und immer (und ich meine IMMER) für die Kinder da ist - na, und der Vater morgens zur Arbeit geht und abends wieder kommt. Das war für alle Beteiligten damals auch in Ordnung so. 

Und heute sehe ich meinen Mann, der 110 % in der Arbeit gibt und eine 40-Stunden Woche macht und seinen Job über alles liebt...und trotzdem genauso viel Zeit mit den Kindern verbringen möchte, wie ich es tue. Er liebt es, mit den Jungs zu spielen und etwas zu unternehmen. Am liebsten hätte er es gern nicht nur abends oder am Wochenende. Er will immer für sie da sein - so wie ich. Immer ein offenes Ohr haben - so wie ich. 

Wie muss sich das wohl anfühlen? Über diese Zerissenheit der Väter spricht man eher selten.  Zum Glück gibt es Erfindungen wie das "Home Office". Das hilft. Auch die Elternzeit wird ja mittlerweile in den meisten Unternehmen stillschweigend tolleriert (gefeiert wäre nun zu hoch gegriffen). Wir sind hier auf einem guten Weg in Deutschland, den Familienalltag auch für die Väter etwas tauglicher zu gestalten aber natürlich noch weit weg von der goldenen Lösung. Stichwort : Work-Life-Balance. So ein kurzes Wort mit so viel Bedeutung!

 

Perspektivenwechsel

In manchen kurzen Momenten in denen ich mich also mit dem Alltag überfordert und allein gelassen fühle, denke ich dann daran, wie gerne mein Mann jetzt an meiner Stelle wäre, um mit den Kindern auch etwas unternehmen zu können. Das ist für mich immer wieder so eine Erkenntnis - hier macht keiner etwas "ganz allein". Jeder leistet seinen Teil bei. Jeder bringt seine Opfer auf seine Art und Weise. Wichtig ist am Ende, dass wir einander lieben und wertschätzen und an einem Strang ziehen. Teamarbeit gibt's eben nicht nur im Büro!

 

Alles Liebe,

Tanja Kosar 

 


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