Im Gespräch mit "The Sustainable Stylist" Janine Dudenhöffer

Mama, Businessfrau, Stylistin und Gründerin der Bewegung  "The Sustainable Stylists" Janine Dudenhöffer war zu Gast bei CEO GENE. Im Gespräch mit Janine haben wir über ihre persönliche Einstellung zu mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche gesprochen, warum eine Veränderung so wichtig ist, wie sie persönlich vorgeht, um Kleiderschränke ihrer Kundinnen nachhaltiger einzurichten und warum sie mittlerweile sogar eine richtige "Bewegung" ins Leben gerufen hat...

1. Liebe Janine, Du arbeitest als persönliche Stilberaterin für Dein eigenes Unternehmen "The Sustainable Stylist" und hilfst so regelmäßig Kund/innen, starke Outfits zusammen zu stellen. Wie bist Du denn überhaupt dazu gekommen in Richtung Stilberatung zu gehen?

Ich habe 12 Jahre lang in Moderedaktionen gearbeitet und dort Models gestylt. Als ich 2013 zum ersten Mal Mama wurde, hat sich mein Fokus schlagartig verändert. Erst aufs Kind, dann zurück zu meinem veränderten Körper, Alltagsabläufen und Ansprüchen. Für mein Buch „Der Mama Styleguide“ habe ich zum ersten Mal gezielt Endkonsument*innen gestylt – die direkte Resonanz – im Vergleich zur redakionellen Arbeit, bei der du Texte schreibst, die Tausende lesen, du aber nicht dabei bist, wenn sie darüber schmunzeln – sie und das Bewusstsein, Frauen aktiv stärken zu können, das hat im Endeffekt den Ausschlag gegeben.

2. Als Businessfrau und Mama hast Du bestimmt immer super viel um die Ohren. Wie schaffst Du das alles nur?

Ich habe gelernt, loszulassen und Aufgaben abzugeben. Hinter mir stehen viele Menschen, die mich unterstützen – privat wie beruflich. Alles andere ist Utopie. Bitte sagt, dass ihr diese Frage auch Vätern stellt.
Janine Dudenhöffer

3. Was hat Dich denn motiviert, Dich auf nachhaltige Mode im Styling-Bereich zu fokussieren? Was war Dein Beweggrund?

Die kam mit meinen Kindern und der Frage, was für ein Vorbild ich Ihnen sein möchte. Welche Welt möchte ich Ihnen hinterlassen? Ich bin fest davon überzeugt, dass ein sinnstiftendes Element in unserem Tun uns glücklich macht.

4. Nachhaltigkeit, was ist das überhaupt für Dich?

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, dass wir Dinge langfristig denken und Mensch sowie Natur über Profit setzen.

5. Bei Kundinnen, die sich bisher noch gar nicht mit Nachhaltigkeit beschäftigt haben: Wie setzt Du an, um sie hier abzuholen? Warum sollte es der Kundin wichtig sein?

Meine Kundinnen finden mich über Instagram, mündliche Empfehlungen oder über die Google Suche bspw. wenn sie Nachhaltigkeit und Styling eingeben. Insofern haben Sie sich alle vor unserem kostenlosen Kennenlerngespräch zumindest schon einmal gedanklich mit einer nachhaltigen Garderobe auseinander gesetzt.

6. Würdest Du sagen, dass Du schon immer sehr nachhaltig-orientiert gewesen bist oder hattest Du ein ganz besonderes Schlüsselerlebnis, welches Dich zum Umdenken bewegt hat?

Ganz im Gegenteil. Ich habe früher mit meiner Arbeit als Moderedakteurin sogar Trends befeuert. Es war kein BÄM, sondern ein Prozess, Wertearbeit und Selbsthinterfragung um zu erkennen, dass es weniger braucht statt mehr, um glücklich zu sein. Ein großer Faktor des Konsums ist es doch, nichts mit sich anfangen zu können oder sich für etwas belohnen zu wollen. Dass es dafür ganz andere Möglichkeiten gibt und uns ein Gespräch oder ein Treffen mit Freundin oder die Beschäftigung mit uns selbst viel weiterbringt als das nächste Streifentop.

7. Manchmal fragen uns Kund/innen, warum denn eco-faire Mode generell recht teuer sei und ob es sich hier um Luxusgüter handle. Was ist Deine Antwort darauf?

Eco faire Mode hat den Preis, den gerechte und ökologische Mode haben muss. Fast Fashion ist zu preiswert. Den Preis zahlen Frauen am anderen Ende der Welt – und unsere Natur. Luxus ist es, sich ohne eigentlichen Bedarf ständig Neues zu kaufen. Egal in welcher Preisklasse! Weitertragen, Second Hand, Tauschen, Leihen, das sollte das neue Normal sein. Ich arbeite dran.

8. Wie schätzt Du die aktuelle Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit in der Textilindustrie ein? Ist es nur ein Trend oder eine bleibende Veränderung?

Die Veränderung muss und wird bleibend sein – ich gehe sogar davon aus, dass da noch mehr kommt!

9. Arbeitest Du immer wieder mit den gleichen Labels zusammen oder bist Du konstant auf der Suche nach neuen Labels? Verrätst Du uns Deine persönlichen 5 Lieblingslabels ?

Ich entdecke immer wieder neue, tolle faire und nachhaltige Labels. Kennt ihr schon Nove, Setery oder pikfine, webandits, mykkehofmann oder thinkingmu?
Immer öfter finden diese auch mich und schreiben mich an. Das freut mich sehr. Könnt ihr euch vorstellen, was die größte Herausforderung in meinem Job ist? Dass ich,wenn ich für meine Kund*innen online shoppen gehe, nicht selbst etwas in den Warenkorb packe, das ich nicht wirklich brauche.

10. Immer wieder sprechen wir auch über „Capsule Wardrobes“ – was sind Deiner Meinung nach essentielle Pieces, die sich gut untereinander kombinieren lassen und immer im Kleiderschrank zu finden sein sollten?

In Sachen minimalistischer Garderobe ist meine Teamkollegin Regine von @trend.detox ein Profi – von ihr und ihrer 30 Teile Garderobe lerne ich auch immer wieder Neues. Welche Teile das genau für eine Frau sind, das lässt sich bei einer individuellen Beratung herausstellen – für manche funktionieren Jumpsuits, Shirts und Blazer super, andere haben ihren Fokus auf Röcken, Kleidern und Mänteln. Das hat mit Alltagsanforderungen, Typ und Vorlieben zu tun. In Antwort 16 nenne ich euch Teile, die für mich und meine Garderobe – und die vieler Kundinnen – essentiell sind. Ein gut sitzender Blazer gehört definitiv dazu.

11. Hast Du einen Geheimtipp für unsere Kund/innen, wenn es um die Outfitwahl für ein wichtiges Meeting geht? Worauf sollten sie achten und welche Rolle spielt das richtige Outfit überhaupt?

Ich empfehle, die Sachen mindestens einen Tag vorher rauszulegen und in Augenschein zu nehmen. Sind keine Flecken oder Fussel darauf? Sitz noch alles? Blazer eignen sich gut. Farbe hilft uns, sichtbar zu sein! Und Schuhe mit einem Block-Absatz, auf dem wir sicher stehen. Im richtigen Outfit fühlen wir uns wohl, nehmen eine aufrechtere Haltung ein und können somit anders überzeugen!

12. Mit welchem Textil arbeitest Du aktuell am liebsten und warum?

Mit denen, die bereits vorhanden sind. Weil wir bereits so viel (produziert) haben,dass wir die ganze Welt damit einkleiden könnten.

13. Wie stehst Du denn zu veganem Leder. Empfiehlst Du es als Alternative zu Echtleder oder tendierst Du eher dazu, vom Kauf abzuraten, da es sich auch wiederum um eine Form von Plastik handelt?

Ich schaue, was am besten zur Kundin und ihren Wünschen passt. Wichtig ist mir jedoch ausschließlich pflanzlich gegerbtes Eco-Leder oder Lederalternativen aus Ananas- bzw. Rhabarberfasern zu empfehlen. Neulich kam eine Klientin, die ein veganes Start-Up leitet, auf mich zu: Ob sie ihre Ledertasche oder Lederjacke noch tragen könne. Ich riet ihr, dies nicht bei öffentlichen Auftritten zu tun, die Sachen jedoch sehr wohl noch weiterzutragen, solange sie sich gut darin fühle. Denn das nachhaltigste, was wir tun können, ist die Produkte zu tragen, die bereits vorhanden sind.

14. Wie läuft es ab wenn sich eine Kundin von Dir beraten lassen möchte? Erzähl doch mal…Kann jeder einfach einen Termin mit Dir vereinbaren?

Ich freue mich über jeden und jede, der/die sich einen objektiven Blick auf das Vorhandene im Schrank und neue Ideen für Kombis wünscht. Oder auch einfach nur mehr zum Thema wissen möchte. Ihr könnt euch einfach über meine Website einen kostenlosen Vorgesprächstermin buchen. Ich bilde mittlerweile auch andere zu Sustainable Stylist:innen aus, damit wir mehr bewegen können.

15. Was machst Du um auch mal richtig vom Job abschalten zu können? Oder klappt das fast nicht?

Ich komme runter, wenn ich mit meinen Kindern bin oder Sport machen kann. Meditation wurde mir schon ein paar Mal ans Herz gelegt, darin übe ich mich noch.

16. Last but not least – wenn Du Dir 5 Teile für Dich persönlich auf CEO GENE aussuchen könntest – welche wären es und warum?

  • Shirt LUI Royalblau – weil Baumwolle ein dankbares und pflegeleichtes Material ist und das Hemd sowohl lässig offen mit Shirt drunter, als auch für Businesszwecke getragen werden kann.
  • AUDREY Shirt tulip wood – weil dünne Rollis die ultimativen Gamechanger bei Temperaturwechseln sind. Sie funktionieren unter Kleidern, Blazern, Mänteln etc.
  • NINA REIN Blazer – weil ein gut sitzender, zeitloser Blazer in jedem Schrank Kleider, Jeans, Jumper und Hosen zu Businessoufits werden lässt.
  • KORK Laptoptasche – weil wir Accessoires als Helfer, aber auch Hingucker einsetzen sollten.
  • NEPTUN Ohrringe Plexiglas – weil wir mit Ohrringen ein Outft easy in eine andere Richtung drehen können.

 

Danke, liebe Janine, für diese tollen und spannenden Einblicke!

 

Wenn ihr Janine nun auch auf Instagram folgen möchtet dann macht das gleich via @janinedudenhoeffer . Wenn ihr euch auch mal von ihr beraten lassen möchtet, dann schaut unbedingt hier vorbei!

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Picture Credits:

Titelbild : Zarahnia Fotos

Foto 1 & 3: Chiara Doveri

Foto 2 & 4: Lena Scherer


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