Kolumne #2: Nachhaltig leben - wie machst Du das eigentlich

Regelmäßig meldet sich Gründerin & Geschäftsführerin von CEO GENE, Tanja Kosar, selbst zu den Themen Karriere, Powerfrauen, Innovation und Nachhaltigkeit zu Wort. 

Kolumne #2: Nachhaltig leben - wie machst Du das eigentlich

"Wie leben Sie eigentlich nachhaltig?" Mit dieser Frage wurde ich neulich bei einem Telefonat von einem Dienstleister überrascht. Völlig zu Recht natürlich - als Betreiberin eines Marktplatzes für nachhaltige Mode kann man davon ausgehen, dass die Motivation nicht von ungefähr stammt und sich sicherlich auch im Privatleben widerspiegelt. Aber was die Person am Telefon wirklich wissen wollte - wie genau sieht mein nachhaltiger Lifestyle denn aus!? Kaufen wir nur noch auf dem Wochenmarkt ein, laufen in Birkenstock durch die Wohnung und wickeln alles in Bienenwachspapier? Und ist es denn schwierig von Otto-Normal in einen plastikfreien Haushalt und Kleiderschrank umzuschwenken? Hier sind meine Erfahrungen und besten Tipps.

1. Thema - Fortbewegung 

Eins mal vorweg - wir fahren als Familie immernoch mit dem Auto. Das hat sich bisher nicht vermeiden lassen und es ist ein Komfort, auf den wir auch persönlich nicht verzichten (wollen) - zumal mein Mann bei einem Automobilhersteller arbeitet. Aber vermeiden wir das Autofahren wenn es möglich ist? Das tun wir! Aktuell überlegen wir ein E-Auto zu leasen..das wäre immerhin eine bessere Alternative. Ansonsten gilt: Die Bahn ist zwar nicht immer das verlässlichste Transportmedium aber wenn möglich, fahren wir mit der Bahn in die Stadt zumal ich äußerst park-faul bin. Oder gehen egal wohin zu Fuß. Meine neuste Leidenschaft sind übrigens die Lastenfahrräder - ich habe mein Auge auf eins geworfen in dem ich die Kids anschnallen kann und kann es kaum erwarten, damit nächsten Sommer die Stadt unsicher zu machen.  

2. Thema - Kleiderschrank

Auch wir haben in unserem Kleiderschrank noch einige Kleidungsstücke aus vergangenen Shopping-Zeiten, die aus nicht nachhaltigen Textilien bestehen. Aber schlecht fühlen wir uns deshalb nicht. Es wäre schlimmer, alles zu nehmen und direkt weg zu werfen. Stattdessen versuchen wir, die Kleidungsstücke abzutragen.  Solange, bis sie wirklich nicht mehr tragbar aussehen. Alternativ könnten wir versuchen, sie zu verschenken oder online zu verkaufen. Wenn wir etwas Neues benötigen, wird inzwischen jedoch auf Materialwahl, Herstellungsart und Herkunftsort genaustens geachtet. Manchmal erwischen mein Mann und ich uns gegenseitig, wie einer etwas impulsiv kaufen möchte - und der Andere dann hinterfragt, ob es denn auch fair produziert sei und aus nachhaltigen Materialien bestünde. Das hilft, den eigenen Werten treu zu bleiben. Wir kaufen auch gerne viele Dinge über SecondHand Möglichkeiten ein. In unserer Stadt gibt es zum Beispiel einmal im Jahr einen Basaar in dem wirklich gut erhaltene Kleidung für einen guten Zweck günstig weiterverkauft wird. Da gucke ich gern mal durch. Es gibt auch zahlreiche Plattformen und Tauschkonzepte auf denen man Secondhand Ware - speziell für Kinder - kaufen, verkaufen oder tauschen kann. Und dass Öko - nicht gleich die Birkenstock-tragende verwahrloste Hippie-tante sein muss und es auch wirklich schöne Alternativen zu Allem gibt, beweisen ja auch unsere Designer hier auf CEO GENE. 

3. Thema - Kinder

Wer zum ersten Mal Mami wird ist häufig ganz schön überfordert, was es alles so an Dingen gibt, die man "haben sollte". Von den Wegwerf-Unterlagen für Unterwegs zum wärmeanzeigenden Plastiklöffel - schnell hat man sich da eine riesige Shopping-Liste zusammen gestellt. Auch ich habe so einige Fehlkäufe bei unserem ersten Kind gemacht und später realisiert, dass man Vieles wirklich gar nicht braucht. Zum Beispiel: Plastikbeutel für Brei oder Muttermilch zum Einfrieren. Das kann doch auch in kleine Behälter gefüllt werden die man bereits besitzt. Ein Babyplastiklöffel kann gut durch einen aus Bambus oder Holz ersetzt werden (die werden nicht so heiß).  Lätzchen müssen nicht aus Plastik sein - man wäscht doch eh so häufig und kann die Stofflätzchen einfach mit reinwerfen. Und Windeln aus Stoff sind allgemein bekannt die günstigste Alternative zu den umweltschädlichen Wegwerf-Windeln. Hier einmal in eine gute Grundausstattung zu investieren macht Sinn - besonders wenn noch ein zweites oder drittes Kind geplant ist zumal sie so viel hautfreundlicher sind. Viele Dinge kann man mit ein bisschen Recherche auch ganz einfach selber machen - zum Beispiel: Ringelblumen-Öl für die zarte Babyhaut. Oder Feuchttücher mache ich auch gerne selber mit Kokosöl. Beim Spielzeug weiß unser Freundeskreis schon - dass wir uns am Ehesten über schön gefertigte Dinge aus Holz und Stoff freuen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass weniger Plastikkruscht im Kinderzimmer auch gleich auf die kleinen Seelen ganz beruhigend wirkt.

Prinzipiell gilt, einfach mal ein bisschen nachdenken ob das Produkt wirklich notwendig ist, was man da kaufen möchte, oder ob man es ganz einfach durch etwas bereits Vorhandenes zuhause ersetzen könnte - oder in wenigen Schritten selber machen kann. 

4. Thema - Hygiene und Putzen

Eine große Plastikfalle sind die ganzen unterschiedlichen Hygiene- und Putzmittel die wir doch anscheinend alle in unserem Alltag brauchen und daher ständig nachkaufen müssen. Hier bin ich tatsächlich sehr konsequent und stelle einige Dinge selber her. Damit allein sparen wir gigantisch viel Plastikmüll. Aus Essig, Soda, Natron und Kernseife lassen sich fast alle Putzmittel nachmachen. Vom Waschmittel bis hin zur Handseife. Zum Einen verstehe ich somit wirklich, was sich in den Putzmitteln befindet und zum Anderen macht mir das ehrlich gesagt auch einen riesigen Spaß!  Und wir verwenden tatsächlich selbstgemachte Bienenwachstücher um unsere Lebensmittel für den Kühlschrank abzudecken oder einzuwickeln. Ich finde das eine so tolle Sache!

5. Thema - Lebensmittel

Über nachhaltigere Alternativen bei den Lebensmitteln könnte man wahrlich mehrere eigene Posts schreiben aber soviel sei gesagt, auch hier ist #plastikfrei meist die bessere Alternative. Ich geh gern mal mit meinem Sohn auf unseren Wochenmarkt - die Atmosphäre allein macht gute Laune! Hier schaue ich ganz konkret darauf woher die angebotene Ware kommt - denn auch beim Wochenmarkt wird leider von den Landwirten mittlerweile dazugekauft um dem Kunden ein breiteres Spektrum an Lebensmitteln bieten zu können. Im Gepäck haben wir immer unsere wiederverwendbaren Gemüsenetze und sind so nicht auf die Plastiktüten angewiesen - die Gemüsenetze kann man übrigens auch ganz fix selber machen oder man nimmt alte Stofftaschen und verknotet sie. Wenn wir im Supermarkt Käse und Wurst kaufen, mache ich inzwischen einen Bogen um die Kühlregale und gehe direkt zur Frischetheke. In meine saubere mitgebrachte Dose wird dann verpackungsfrei alles nach dem Wiegen reingelegt. Toll daran finde ich, dass man zu Hause gar nicht mehr die ganzen unschönen Verpackungen im Kühlschrank hat, sondern alles schön ordentlich in der Wurstdose heim trägt und so direkt wegräumen kann. 

 

Ihr seht also, es ist eigentlich nicht schwer auf einen nachhaltiger(en) Lebensstil umzusteigen - ob Single oder mit Familie. Es gibt viele kleine Schritte die sich ganz leicht umsetzen lassen. Man muss nur lernen, konsequent zu sein und vor allem, nicht auf die erstbeste Option reinzufallen, sondern ruhig mal ein bisschen nachzudenken, was denn eine umweltfreundlichere Alternative sein könnte.  

Meine bewährtesten Tipps für einen nachhaltigeren Lifestyle

  • Fahre mit der Bahn oder mit dem Fahrrad so oft es geht. Du musst aber nicht zum Pferdekutschen-Besitzer werden - wenn eine Autofahrt sinnvoll wirkt, fahre ruhig mit dem Auto. 
  • Kaufe Lebensmittel lokal und unterstütze so auch die lokalen kleineren Betriebe. Benutze wiederverwendbare Gemüsenetze um Gemüse auf dem Markt zu verpacken und lasse Dir an der Frischetheke die Wurst /Käse frisch und unverpackt in Deine mitgebrachte Dose packen. Das spart erheblichen Plastikmüll!
  • Stelle Putz-und Hygienemittel  ganz einfach selber her. Hier gibt es ganz tolle Anleitungen online! Ein bisschen Stöbern lohnt sich und ist auch gut zum Geldbeutel. Du kannst Deine alte Plastikflaschen dafür wiederverwenden.
  • Kaufe Bekleidung und Produkte für Deine Kinder SecondHand. Frag Freunde ob sie noch dieses oder jenes für Dich haben oder ob Du es leihen darfst. 
  • Versuche bei Produkten die Du "neu" kaufen musst darauf zu achten, ob es a) eine plastikfreie Alternative gibt und b) wie das Produkt hergestellt wurde (ist es fair produziert?) oder aus welchen Materialien es wirklich besteht. Lerne hier prinzipiell gründlicher hinzusehen!

 

Alles Liebe & gutes Gelingen!

Tanja Kosar

 

 

 

 

 

 


Older Post Newer Post

Leave a comment