Frauen als Führungskräfte - Drei Expertinnen erzählen was wichtig ist für den Erfolg

Wir haben drei Expertinnen aus unserem Netzwerk gefragt, was eine gute Führungskraft ausmacht und was Frauen in Führungspositionen tun können, um sich Respekt zu verschaffen. Mit dabei waren die Unternehmerin Anne Fiedler aus München, die Berliner Juristin Dr. Anja Schäfer und die international arbeitende HR Managerin Carlota Montoro aus Madrid.

 

Anne Fiedler, München: „Respekt verschaffen ist nicht nötig, so lange du dich selbst respektierst.

 

Anne Fiedler

Die Unternehmerin Anne Fiedler alias Annie Schnabelkraut kann auf eine vielseitige und spannende Karriere zurückblicken.

Nach einem Angestelltenverhältnis bei der Sparkasse wagte sie den Schritt in die Konzernwelt und arbeitete u.a. bei großen Unternehmen wie McFIT und Amazon: „Ich habe insgesamt 180 Mitarbeiter in 6 verschiedenen Ländern geführt und mit ihnen zahlreiche Projekte zum Ziel gebracht“, erzählt Anne über ihre Zeit bei McFIT. Heute unterstützt sie Frauen als Coach, Podcasterin und Mentorin auf dem Weg in die Selbstständigkeit und ist außerdem als Unternehmensberaterin, IT-Projektmanagerin und Immobilienmaklerin unterwegs.

Was sind drei Merkmale einer guten Führungskraft?

Begeistert: Hab Spaß an dem, was du machst. Sofern du dich mit deiner Aufgabe und deinem Unternehmen identifizierst, motivierst du mit deiner Begeisterung auch andere: deine Kunden, deine Kollegen, deine Mitarbeiter, deine Vorgesetzen. Was du dafür brauchst? Ein wirkliches Interesse an anderen Menschen, gerade wenn es um die Weiterentwicklung deiner Mitarbeiter geht.

Miteinander: Gute Führungskräfte sollten heutzutage vor allem ein gutes Vorbild sein und alles daran setzen sich selbst und den eigenen Mitarbeitern eine angenehme Arbeitsumgebung zu schaffen. Wir verbringen so viel Zeit in der Arbeit, die sollten wir genauso feiern und schätzen, wie unsere Freizeit. Das funktioniert am besten in einem gesunden Teamumfeld, in dem alle an einem Strang ziehen und Lust haben die Unternehmensziele zu erreichen!

Füreinander: Du kannst es als Chefin nie allen Recht machen. Versuche nach bestem Wissen und Gewissen immer das Optimum rauszuholen: für die Firma, für dich und deine Mitarbeiter. Hab keine Angst, Fehler zu machen. So lange alle füreinander da sind, die Chefin für das Team und umgekehrt, kann man so manche Berge versetzen.

Wie kann man sich als weibliche Führungskraft - gerade auch in männerdominierten Branchen - Respekt verschaffen?

Respekt verschaffen ist nicht nötig, so lange du sich selbst respektierst. Eine natürliche, offene und positive Art sorgt nicht nur dafür, dass du selbst einen schönen Tag hast, sondern auch, dass andere gern mit dir arbeiten. Männer sind keine Gegner oder Konkurrenten. Sie sind Mitstreiter und Teamkollegen, verbünde dich mit ihnen.

Lass dich nicht entmutigen, wenn es mal nicht so läuft und nimm auf keinen Fall die Dinge persönlich. Du bist gut so, wie du bist. Andere Menschen haben manchmal auch einen schlechten Tag.

Gibt es persönliche Erfahrungen oder Erlebnisse aus deiner Zeit als Führungskraft, die du mit anderen ambitionierten Frauen teilen möchtest?

Ich dachte, ich müsste es allen beweisen und immer besser als die Männer sein, dann würde man schon sehen, dass ich gut bin und es mir danken. So ein Quatsch. Leistung ist wichtig, aber nicht alles.

Wir können so viel von Männern lernen: Etwas weniger Perfektionismus, etwas mehr Gelassenheit und ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein bringen dich im Unternehmen weiter als jede unnötige Überstunde.

Erst als ich das begriffen hatte, ging es auch bergauf mit meiner Karriere. Ich habe gute Ergebnisse geliefert, ohne mich ständig selbst fertig zu machen – körperlich und mental. Die Belohnung kam, weil ich mich traute danach zu fragen: nach mehr Verantwortung, einer neuen Stelle oder mehr Gehalt.

Darum arbeite ich heute auch als Business Coach und Unternehmensberaterin. Wenn die persönlichen und unternehmerischen Ziele zusammenpassen, gewinnen alle: Das Unternehmen und vor allem die Menschen.

 

Dr. Anja Schäfer, Berlin: „Nur wer sich selbst gut führt, kann andere gut führen.


Anja Schäfer

1: Welche drei Merkmale zeichnen eine gute Führungskraft aus? 

Die Berliner Juristin Dr. Anja Schäfer arbeitet als Business Coach, Beraterin und Mentorin für Frauen in Führung mit den Schwerpunkten Kommunikation, Netzwerken sowie berufliche und persönliche Weiterentwicklung. Über ihren Werdegang erzählt sie: „Ich war 8 Jahre als Rechtsanwältin in einer großen mittelständischen Kanzlei angestellt und habe etwa ab dem dritten Jahr meiner Anwaltstätigkeit die ersten Führungsaufgaben übernommen. Je länger ich dabei war, umso mehr Aufgaben dieser Art sind dazu gekommen. Seit Herbst 2017 bin ich als Business Coach und Mentorin für Frauen selbständig tätig und gerade dabei, mir mein eigenes Team aufzubauen.“

Für mich ist eine gute weibliche Führungskraft zu allererst die beste Anwältin in eigener Sache. Nur wer sich selbst gut führt, kann andere gut führen. Daher weiß sie, was sie will und steht auch dazu. Ihre Ziele geht sie strategisch und mit Fokus an, passt sie situativ immer wieder an sich ändernde Gegebenheiten an und bleibt dennoch an ihnen dran.

Eine gute Führungskraft gewinnt andere Menschen über ihre Kommunikation, indem sie authentisch, klar und mit Herz kommuniziert. Sie inspiriert, informiert und motiviert. Sie fördert und fordert. Sie lebt eine offene Feedbackkultur, ist großzügig mit Anerkennung und hat viel Humor.

Der dritte Punkt ist für mich Verbindlichkeit. Menschen wollen wissen, woran sie sind. Eine gute Führungskraft sagt klar, was sie bzw. welches Ergebnis sie erreichen will. Und lässt dann ihren Mitarbeitern Spielraum zur Umsetzung und schafft es so, dass alle „gewinnen“.

2: Wie kann man sich als weibliche Führungskraft - gerade auch in männerdominierten Branchen - Respekt verschaffen? 

Ich empfehle meinen Kundinnen immer, den eigenen Wert nicht nur zu kennen, sondern auch zu kommunizieren. Denn auf diese Weise wird man selbst und als Frau sichtbar und sichtbarer. Da darf Frau ruhig bis zu dem Punkt gehen, der sich für einen selbst etwas unbequem oder auch „größenwahnsinnig“ anfühlt. Dann ist es gerade richtig.

Sichtbarkeit bedeutet mitunter auch Angreifbarkeit. Hier ist es wichtig, dass Frau zu sich und ihren Zielen steht und damit Führung übernimmt. Also nicht immer nur einstecken, sondern auch mal austeilen. Den Mund auf machen. Eine klare Sprache haben. Grenzen setzen und Nein sagen. Vor allen Dingen regelmäßig zu Aufgaben, die nichts mit den eigenen Kompetenzen zu tun haben und einem zudem persönlich nichts einbringen, geschweige denn voranbringen. Hier hilft es sehr, proaktiv nach der Devise zu werden: „Jetzt ist mal XY dran!“

Die „Jungs“ lernen schnell und können auch damit umgehen. Wenn ich als Frau konsequent dranbleibe, aber es auch mal mit Humor anders hinnehmen kann, dann habe ich schon viel gewonnen. 

3: Gibt es persönliche Erfahrungen oder Erlebnisse aus deiner Zeit als Führungskraft, die du mit anderen ambitionierten Frauen teilen möchtest? 

Ganz klar: „Eigenlob stimmt!“. Dazu habe ich mir eine Menge von den „Jungs“ abgeschaut. Dies bedeutet für mich nicht, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Aber wenn das abgeschlossene Projekt ein Elefant war, dann darf Frau nicht nur, dann muss sie sogar jeder Person, die es angeht, vom „Elefanten“ – und am besten mehrfach – berichten.

Dann: Kontakte schaden bekanntlich nur der Person, die keine hat. Alles, was ich an Zeit, Geld und Energie in den Auf- und Ausbau meines Netzwerkes investiert habe, habe ich mehr als doppelt zurückbekommen.

Schließlich: Mitunter sollte Frau sich fragen, ob sie recht haben oder ihr Ziel erreichen will. Es gibt ja viele Wege zum Erfolg. Am Ende zählt das Ergebnis. Dieses kann auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden. Weniger ist häufig mehr. Frau muss sich nicht immer den schwersten aussuchen oder alles allein machen. Es lohnt sich zudem sehr, strategisch an Dinge heranzugehen. Das habe ich jedoch auch erst lernen dürfen.

 

Carlota Montoro, HR Manager, Madrid: „Frauen warten oft, bis sie gelobt werden.“ 

Carlota Montoro

Carlota Montoro aus Madrid arbeitet international als HR Managerin für Startups und KMUs, was ihr einen guten Außenblick auf ganz unterschiedliche Unternehmen ermöglicht. Wir haben Carlota gefragt, welche Eigenschaften wichtig für Führungskräfte sind und was Frauen tun können, um erfolgreicher zu werden. 

 

Was muss man tun, um als weibliche Führungskraft respektiert zu werden?

Es ist wahr, dass es für Frauen manchmal eine größere Herausforderung ist, in bestimmten Umgebungen respektiert zu werden. Aber die Voraussetzungen, um respektiert zu werden, sind die gleichen – egal ob man männlich oder weiblich ist. Wichtig ist es, anderen gegenüber respektvoll zu sein und mit Wissen zu sprechen. Manchmal kann das herausfordernd sein, aber der Schlüssel ist, zu wissen, was du tust und gut zu deinem Team zu sein.

 

Was sind die drei wichtigsten Merkmale einer guten Führungskraft?

Aus meiner Sicht sind solche Personen gute Führungskräfte, die ein Team erfolgreich zum Ziel bringen, indem sie die Teammitglieder motivieren und ihnen das Gefühl vermitteln, dass es sich um eine gemeinsame Leistung handelt.

Aus Erfahrung sind das Führungskräfte, die die Fähigkeit haben, gut zuzuhören sowie jene, die mit Experten arbeiten und deren Wissen und ihre Erfahrung zu schätzen wissen. Nicht zuletzt ist eine gute Führungskraft jemand, der/die erkennt, dass er/sie nicht perfekt ist, manchmal Fehler macht und nicht alles weiß.

 

Wie können Frauen erfolgreicher werden?

Während meiner Karriere habe ich – verallgemeinert gesagt – immer wieder beobachtet, dass Frauen seltener danach fragen, was sie möchten. Das heißt sie warten, bis andere sie loben oder bis der richtige Moment da ist, nach etwas zu fragen. Da passiert es oft, dass jemand anders ihnen zuvorkommt. Ich meine nicht, dass man aggressiv sein sollte, aber es ist nicht verkehrt dafür zu kämpfen und danach zu fragen, was man möchte. Du wirst es nicht immer bekommen, aber du erhöhst deine Chancen.

 

 

Hanna MeinersDieser Artikel wurde von Autorin Hanna Meiners, freiberufliche Texterin und Content Expertin, erstellt. Sie unterstützt uns regelmäßig auf CEO GENE beim Erstellen von aussagekräftigen Texten und Posts in den Bereichen Nachhaltigkeit, Female Empowerment, Innovation und Karriere Events. 


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