Mehr Klarheit und Zufriedenheit mit Journaling – Interview mit Juliane Tranacher

Die Corona-Krise hat unser Leben innerhalb kurzer Zeit radikal verändert und vor allem viel Unsicherheit geschaffen. Journaling kann dabei helfen, die eigenen Gedanken zu ordnen und Struktur ins Gefühlschaos zu bringen. Wir haben bei Content-Strategin und Journaling-Expertin Juliane Tranacher nachgefragt.

Im Interview verrät die Hamburgerin, was Journaling vom klassischen Tagebuch unterscheidet, wie sie das Tool für sich entdeckt hat und wie man ganz leicht damit beginnen kann.   

 

 

Wer bist du und was machst du?

 

Mein Name ist Juliane Tranacher und ich bin freiberufliche Texterin und Content-Strategin aus Hamburg. Als solche helfe ich Unternehmen und Soloselbstständigen dabei, die richtigen Worte zu finden, um ihre Botschaft in die Welt hinauszutragen und bei ihren Kunden anzukommen.

 

Neben dem beruflichen Schreiben befasse ich mich seit vielen Jahren mit dem sogenannten Journaling. Journaling bedeutet für mich: Schreiben für das innere Wachstum und die persönliche Weiterentwicklung.

 

Was ist Journaling? Gibt es zum Beispiel Unterschiede zum klassischen Tagebuch?

 

Journaling wird oft mit dem Tagebuchschreiben gleichgesetzt. Aber es ist viel mehr als das. Wenn ich Tagebuch schreibe, geht es ja meist vor allem darum, Erlebnisse, Erfahrungen und äußere Geschehnisse aufzuschreiben. Das Journaling aber ist viel zielgerichteter. Hier geht es um die ganz bewusste (Selbst-)Reflexion.

 

Beim Journaling bringst du deine Gedanken und Gefühle zu Papier. Du setzt dich mit deinem innersten Selbst, mit deinen Zielen und Visionen, mit deinen Wünschen und Hoffnungen, aber auch mit deinen Ängsten und Sorgen auseinander. Im Schreibprozess erkennst du, wer du bist, wer du warst und vor allem: wer du sein möchtest.

 

Journaling ist eine Art Selbstcoaching, das dir dabei hilft, mehr Klarheit zu gewinnen, dich selbst besser zu verstehen, neue Perspektiven einzunehmen und deinen Fokus auf das Positive auszurichten.

 

Wie hast du Journaling für dich entdeckt? 

 

2015 habe ich meine Festanstellung in Berlin aufgegeben und bin mit meinem Mann nach New York gezogen. In den USA angekommen, musste ich mich komplett neu erfinden: Ich hatte ja nicht nur meinen Beruf aufgegeben, sondern auch meine Freunde und meine Familie zurückgelassen und überhaupt mein komplettes gewohntes Lebensumfeld.

 

In den USA war Journaling damals schon ein riesiges Thema. Und weil ich immer schon ganz fest an die Kraft der Worte geglaubt habe und ja auch berufsbedingt täglich geschrieben hatte, war für mich sofort klar, dass ich das Schreiben als Tool zur Selbstreflexion und für mein persönliches Wachstum unbedingt mal ausprobieren möchte.

 

Inwieweit hat dir Journaling persönlich geholfen oder was schätzt du persönlich am meisten daran? 

 

Durch das Journaling ist mir noch klarer geworden, was ich will im Leben und was mir wirklich wichtig ist. Ich bin einerseits sehr begeisterungsfähig und andererseits auch sehr sprunghaft: Wenn ich eine neue Idee habe, bin ich oft sofort Feuer und Flamme. Gleichzeitig habe ich aber ständig neue Ideen im Kopf und hüpfe dann gerne von einer Idee zur nächsten. Das Journaling gibt mir die Möglichkeit, meine Gedanken zu ordnen, zu priorisieren und mir klare Ziele zu setzen.

 

Außerdem hilft es mir dabei, dankbarer zu sein für das, was ich heute schon habe. Ja, ich habe große Ziele und ja, die möchte ich unbedingt erreichen. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht glücklich im Hier und Jetzt bin. Das Journaling schärft meinen Blick für das Gute und Schöne. Ich fühle mich dadurch glücklicher und erfüllter und bin insgesamt zufriedener mit mir und meinem Leben.

 

Warum sollte man mit Journaling beginnen - vielleicht auch gerade jetzt angesichts der unsicheren Zeiten? 

 

Journaling ist die ideale Methode, um Struktur in das Chaos zu bekommen, das manchmal in unserem Kopf herrscht. Der Schreibprozess an sich hilft dabei, Dinge klarer zu sehen. Denn durch das Verschriftlichen setzt du dich viel tiefer mit deinen Themen und Herausforderungen auseinander als beim bloßen „Darübernachdenken“. Und oft findest du schon während des Schreibens Lösungen, die du vorher einfach übersehen hast.

 

Gerade in unsicheren Zeiten kann das Journaling dir außerdem dabei helfen, Ängste und Sorgen besser zu verarbeiten. Denn oft wird die Angst ja schon in dem Moment kleiner, in dem wir sie zulassen und einmal ganz bewusst hingucken. Mit dem Journaling kannst du dich deinen Ängsten schrittweise nähern, sie hinterfragen und sie im besten Fall auch auflösen.

 

Welche Tipps würdest du Neulingen mit auf den Weg geben? Wie kann man mit Journaling beginnen?

 

Ich glaube, das Wichtigste ist, dass du dir klar über dein Warum bist: Warum möchtest du mit dem Journaling beginnen? Was ist dein Ziel? Was erhoffst du dir davon? Am besten beantwortest du dir dein Warum schriftlich. So siehst du nicht nur schwarz auf weiß, was du mit dem Journaling erreichen möchtest – du hast auch direkt eine erste Impulsfrage, mit der du ins Journaling einsteigen kannst.

 

Zudem solltest du versuchen, eine feste Schreibroutine zu etablieren und gerade am Anfang zu relativ festen Zeiten schreiben, etwa morgens direkt nach dem Aufstehen oder abends vorm Schlafengehen.

 

Und schließlich solltest du das Journaling nicht als eine Pflicht ansehen, die es zu erledigen gilt. Sieh es als etwas Positives an, das dich bei deinem persönlichen Wachstum begleitet. Statt zu denken, dass du noch schreiben „musst“, sag dir zum Beispiel „Ich darf schreiben“ oder „Ich nutze die Chance zu schreiben“.

 

Gibt es auch etwas, was man beim Journaling „falsch“ machen kann? 

 

Das Schöne am Journaling ist, dass du eigentlich nichts falsch machen kannst, weil es keine Regeln gibt. Sowohl was die Inhalte angeht als auch das Formale bist du völlig frei. Du kannst lange oder kurze Fließtexte schreiben, nur Stichpunkte notieren oder dir Listen machen. Du kannst ein Dankbarkeits- oder Erfolgsjournal führen, du kannst dir Impulsfragen zu verschiedenen Themen und Lebensbereichen stellen oder du kannst einfach herunterschreiben, was dir gerade in den Sinn kommt. Du bist wirklich vollkommen frei, da gibt es kein „richtig“ oder „falsch“.

 

Das Einzige, was tatsächlich wichtig ist: Du solltest ehrlich zu dir selbst sein und keine Angst davor haben, dich wirklich zu öffnen. Nur wenn du dich traust, deine Gedanken und Gefühle ungeschönt zu Papier zu bringen, kannst du das volle Potenzial des Journalings für dich nutzen.

 

Du hast auch ein Buch zum Thema Journaling geschrieben. Was erwartet Leser*innen darin? 

 

Mein erstes Buch zum Thema Journaling heißt „Journaling als Morgenroutine. Schreibübungen für den idealen Start in den Tag“ und damit ist auch schon das Wesentliche auf den Punkt gebracht: Das Buch bietet einen leichten Einstieg ins Journaling, viele praktische Tipps und zahlreiche Schreibübungen und -impulse für die tägliche Morgenroutine.

 

Der Grundgedanke dahinter ist folgender: Jeden Morgen können wir uns neu entscheiden, wie wir unseren Tag gestalten wollen. Wir können wählen, ob wir einen gewöhnlichen oder einen besonderen Tag erleben möchten. Und das Journaling ist eine simple und gleichzeitig extrem effektive Methode, um das Beste aus unserem Tag – und damit unserem Leben – zu machen.

 

Wie das konkret funktioniert, zeige ich in dem Buch anhand von Journalingimpulsen, die schnell umzusetzen und einfach in den Alltag integrierbar sind.

 

 

Vielen Dank für das Interview, liebe Juliane!

 

 

 Über Juliane:

Juliane Tranacher ist Texterin und Content-Strategin aus Hamburg. Weitere Infos zu ihrem Angebot und ihrem Buch findest du auf https://www.julianetranacher.com/

Das Interview wurde geführt von:

Hanna MeinersDas Interview wurde von Autorin Hanna Meiners, freiberufliche Texterin und Content Expertin, geführt. Sie unterstützt uns regelmäßig auf CEO GENE beim Erstellen von aussagekräftigen Texten und Posts in den Bereichen Nachhaltigkeit, Female Empowerment, Innovation und Karriere Events. Danke, Hanna!


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2 Kommentare
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